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Liebe Leserinnen und Leser,
in dieser Ausgabe geht es darum, ob es nur Vorteile birgt, wenn KI-Tools Schwachstellen in Software finden können, dass eine virtuelle Ministerin auch nicht unfehlbar ist, wie unser Nachbarland Frankreich die digitale Souveränität vorantreibt und wie unterschiedlich die KI-Aktivitäten der einzelnen Länder in dem AI Index von Stanford gewertet werden. Unser Thema im Fokus beschäftigt sich mit der Schwierigkeit, komplexe Informatik-Inhalte in Podcasts zu vermitteln. In den GI-Mitteilung berichten wir Ihnen von dem ersten Treffen von Fellows und Junior-Fellow 2025 in Erfurt. Weiterhin sind wir stolz, dass Ute Schmid als GI-Fellow für ihre Verdienste um die Vermittlung von KI jenseits der Hochschulen von der DFG mit dem Communicator-Preis ausgezeichnet wird. Schließlich verweisen wir Sie auf unsere Spendenseite. Das Fundstück beschäftigt sich mit einem seltsamen Phänomen aus der Statistik.
Wir wünschen Ihnen viel Spaß mit dieser Ausgabe.
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Schwachstellensuche + virtuelle Ministerin + digitale Souveränität in Frankreich + Stanford AI Index + Wissenschaftspodcasts + Treffen von Fellows & Junior-Fellows + Auszeichnung für GI-Fellow Ute Schmid + Spendenaufruf + Birthday Effect
KURZMITTEILUNGEN
Intelligente Schwachstellensuche: ja oder nein (Spiegel). Ausgenutzte Schwachstellen in Software können zu Datenverlusten und hohem finanziellen Schaden führen. Schwachstellen zu entdecken, sollte also per se sinnvoll sein. Dies gilt jedoch nur, solange die Erkenntnisse nicht bei den Falschen landen. Intelligente Software, die Schwachstellen findet, könnte in den Händen der Falschen einen riesigen Schaden anrichten. Wie geht man damit um und wie lässt sich insbesondere kritische Infrastruktur schützen. weiterlesen
Virtuelles Kabinettsmitglied Diella in Albanien: enttäuschte Erwartungen (NZZ). Ein Chatbot hat weder Familie noch Eigeninteressen und ist mithin per se unbestechlich. Das war zumindest der Hintergedanke bei der Einsetzung einer virtuellen KI-Ministerin in Albanien. Gestartet als virtuelle Assistentin avancierte der Bot schnell zu einem regulären Kabinettsmitglied in traditioneller Tracht und mit realem Gesicht und realer Stimme. Nun zeichnet sich ab, dass die Personen hinter Diella Betrügerinnen sind und der Bot intransparent. weiterlesen
Digitale Souveränität: Frankreich baut sich um (heise). Die französische Regierung hat alle Ministerien und nachgeordneten Behörden angewiesen, bis Herbst 2026 konkrete Pläne vorzulegen, wie sie ihre Infrastruktur offen und digital souverän aufbauen möchten. Dabei geht es der französischen Regierung nicht darum, ein Unternehmen durch ein anderes zu ersetzen, sondern tatsächlich offene Standards und eine offene Infrastruktur zu schaffen, wo einzelne Komponenten leicht auch immer ausgetauscht werden können. weiterhören
Stanford AI Index: China und USA fast gleichauf (WirtschaftsWoche). Der Stanford AI Index ist seit rund zehn Jahren ein jährlicher Lagebericht über die Situation und Entwicklung der künstlichen Intelligenz in der Welt. Wenig überraschend sind China und die USA an der Spitze, Europa liegt weit dahinter. Allerdings unterscheiden sich die Spitzenpositionen in Infrastruktur, Kapital, Publikationen, Patenten und Robotik – und der Schwerpunkt hat sich längst verschoben von Wissenschaft zu Industriegut. weiterlesen
THEMA IM FOKUS
Digitalisierung als Hörerfahrung. Von der Möglichkeit und Schwierigkeit des Podcastings zu abstrakten Digitalthemen. Wissenschafts-Podcasts sind längst im Alltagsleben angekommen. Eine kaum zu bewältigende Flut an Hörstücken zu allen denkbaren gesellschaftspolitischen Fragestellungen und wissenschaftlichen Themen steht auf den gängigen Streaming-Diensten, Plattformen und Social-Media-Kanälen zum Abruf bereit. Diese sind an interessierte Laien genauso adressiert wie an Fachpublikum. Die unterschiedlichen Formate changieren zwischen der Thematisierung komplexer und oft abstrakter Zusammenhänge und dem Versuch anschaulicher Darstellung und verständlicher Wissensvermittlung.
Auch Informatikthemen – Digitalisierung, digitale Neuerungen, digitale Transformation – finden sich in der Podcasting-Welt vielfach und werden aus unterschiedlichen Perspektiven und mit unterschiedlicher thematischer Schwerpunktsetzung behandelt: Raumdigital: Die Digitalisierung in der Raumentwicklung, Auftrag: Aufbruch: die Digitalisierung der Bildung, Datenschutz und Digitalisierung: Datenschutzfragen, Die Datenräumer: Datentransfer in Datenräumen. Die Beispiele sind freilich nur ein Bruchteil des zur Verfügung stehenden Angebots.
Diese Podcasts sind überwiegend als Gesprächsformate angelegt, in denen ein Host ein oder zwei fachkundige Gäste einlädt und mit ihnen diskutiert. Seltener gehen Podcasts einen anderen Weg und folgen dem Prinzip eines Features, wie man es aus dem Radio kennt. Features verbinden dokumentarische und reportagige Elemente und funktionieren gelegentlich wie ein kleines Hörspiel: Ein Sprecher oder eine Sprecherin führt durch die „gebauten Beiträge“ und verknüpft O-Töne aus Interviews mit weiteren Inhalten. Ein gutes Beispiel dafür ist der Podcast Exploring Digital Spheres.
Zwischen klassischem Dialog und explorativem Feature
Auch wir vom Zentrum für verantwortungsbewusste Digitalisierung (ZEVEDI) an der TU Darmstadt haben unterschiedliche Podcast-Formate produziert. Darunter der recht klassische Gesprächspodcast – das Digitalgespräch –, der seit Mitte 2021 die ganze Breite von Digitalthemen erkundet. Oder der eher explorative Podcast ShareCast, der featureartig das Thema Datenteilen beleuchtet. Vor diesem Hintergrund wollen wir einige Reflexionen über die Herausforderungen und Potenziale anstellen, die das Thema Digitalisierung im Audio-Format mit sich bringt.
Im Digitalgespräch liegt der Fokus auf dem „Entpacken“ komplexer Themen, die im Raster journalistischer Arbeit häufig unsichtbar bleiben. Die Episoden folgen einem wiederkehrenden Aufbau und beleuchten gemeinsam mit einem Gast in ungefähr 45 Minuten ein Digitalthema. Wie dieses Format die „tieferliegenden“ Dynamiken der digitalen Transformation einfängt, zeigt sich an unterschiedlichen Beispielen: Hochleistungsrechner und ihre technischen Grundlagen (Folge 23), oder die digitale Forensik (Folge 45), also die Spurenlese z.B. auf vermeintlich zerstörten Festplatten.
Im ShareCast war der Ausgangspunkt folgender: Datenkompetenz (Data Literacy) ist ein abstrakter Begriff, der im öffentlichen Diskurs oft von Warnungen oder diffusen Vorstellungen über den „Wert“ von Daten überlagert wird. Zwischen vollständiger Zurückhaltung und freimütiger Weitergabe scheint es kaum Alternativen zu geben. Was aber ist mit dem kontrollierten Teilen von Daten durch neue Intermediäre wie z.B. Datentreuhänder? Wir haben versucht, diese Thematik für eine breitere Öffentlichkeit anschaulich aufzubereiten.
Wir sind zunächst von der lebensweltlichen Konkretion des Themas ausgegangen: Alle teilen Daten, jeden Tag, ob über Messengerdienste, Social-Media-Kanäle, große Plattformanbieter oder unsere Smartwatch mit Fitness- und Gesundheitsfunktionen. Von dort haben wir weitergebohrt und versucht, die technologischen Voraussetzungen solcher Dienste aufzuschlüsseln. Jede Folge konzentriert sich auf einen Schlüsselbegriff, wie Vertrauen oder Politik, oder auf eine Datendomäne, wie Gesundheitsdaten und Daten in der Wissenschaft. In ungefähr 20-minütigen Episoden kommen Forscher:innen und Praktiker:innen mit ihren Positionen und Einsichten zu Wort. Stimmen von Bürger:innen, die wir in Straßeninterviews aufgenommen haben, ergänzen das Bild.
Die Suche nach dem „Sweet Spot“ der Wissensvermittlung
An beiden Formaten lässt sich exemplarisch zeigen, welche Herausforderungen das Podcasten zu abstrakten Fragen rund um die Digitalisierung birgt. Bei Gesprächsformaten gelingt der Transfer zwischen abstrakten Themen und lebensweltlicher Konkretheit dann besonders gut, wenn die Protagonist:innen die Komplexitätsebenen wechseln können. Sicher beeinflussen auch die Intensität der Gesprächssituation und die Länge einer Folge die Hörerfahrung. Beim Feature-Podcast gilt es hingegen eher, eine möglichst vielfältige und abwechslungsreiche Hörerfahrung zu bieten. Das heißt konkret: Wie lassen sich abstrakte Themen aus einer lebensweltlichen Perspektive betrachten? Wie gelingt es, längere Interviews in nur wenigen O-Tönen zu kondensieren? Lässt sich ein erzählerischer, vielleicht auch unerwarteter Bogen schlagen? Im ShareCast sind wir deshalb nah rangegangen, haben etwa relativ kleine datentreuhänderische Projekte pars pro toto ausgewählt und sind so z.B. bei einem Datentreuhänder in der Forstwirtschaft gelandet – einschließlich Motorsägenatmo. Denn ja: Auch im Wald fallen digitale Daten an!
Eine zentrale Erfahrung, die wir gemacht haben: Informatisches mag irgendwie fancy sein, aber eine inhaltlich tiefergehende Darstellung ist nicht einfach. Es geht eigentlich immer darum, den „Sweet Spot“ zwischen der Vermittlung abstrakten Wissens und einer anschaulichen, im Umfang verträglichen Darstellung zu finden, die vom Alltag der Hörer:innen anhebt. Denn eines ist klar: Ein Podcast soll nicht nur Wissen vermitteln, sondern muss auch gut zu hören sein.
Die Autoren: Till Seidemann ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der TU Darmstadt und dort in den beiden Projekten DaTNet und ShareCast tätig. Zudem arbeitet er als Professor für Soziale Arbeit an der Internationalen Hochschule Würzburg. Konstantin Schönfelder arbeitet als Wissenschaftsredakteur am Zentrum verantwortungsbewusste Digitalisierung (ZEVEDI), dort unter anderem auch für ShareCast. Außerdem arbeitet er als freier Journalist zu kulturellen und gesellschaftspolitischen Themen, vor allem für den Hörfunk. Vielen Dank!
GI-MELDUNGEN
Treffen Fellows & Junior-Fellows. Im März haben sich zum ersten Mal einige Fellows und Junior-Fellows zum sogenannten „Erfurter Format“ getroffen, um sich über ausgewählte Themen der GI und der Informatik auszutauschen und Ideen zu entwickeln, wie man diese gemeinsam voranbringen kann. weiterlesen
Communicator-Preis der DFG für GI-Fellow Ute Schmid. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zeichnet GI-Fellow Ute Schmid mit dem Communicator-Preis für ihre langjährige Vermittlung von KI aus. Die DFG hebt hervor, dass Ute Schmid nicht erst seit dem aktuellen Boom, sondern bereits seit vielen Jahren Themen der KI einem breiten Publikum – angefangen von der Grundschule bis hin zur Hochschule, in die Gesellschaft und die Politik – vermittelt. Der „Communicator-Preis – Wissenschaftspreis des Stifterverbandes“ wird seit dem Jahr 2000 verliehen und gilt als der wichtigste Preis seiner Art in Deutschland. Wir gratulieren. weiterlesen
Unterstützen Sie die GI – Spendenbescheinigung inklusive. Sie alle halten die Arbeit der GI für wertvoll und im besten Falle auch nutzbringend für sich selbst – sonst wären Sie nicht Mitglied bei uns. Das freut uns sehr. Heute bitten wir Sie zu überlegen, ob Sie uns über Ihre Mitgliedschaft hinaus auch finanziell fördern möchten. Mit Ihrer Spende könnten wir über unsere „normale“ Arbeit hinaus weitere Projekte anstoßen, beispielsweise in der Nachwuchsförderung oder dem Service für unsere Ehrenamtlichen. Spenden geht ganz leicht. Vielen Dank. weiterlesen
Kennen Sie eigentlich den GI-Pressespiegel? Dort sammeln wir die Berichterstattung über unsere Fachgesellschaft in Zeitungs-, Radio- und Fernsehbeiträgen. Schauen Sie rein, es gibt da immer wieder Neues oder auch ältere Fundstücke.
FUNDSTÜCK
Fundstück: Stirbt man eher am Geburtstag? Der sogenannte Birthday Effect ist ein statistisch gut belegtes Phänomen: Menschen sterben überdurchschnittlich häufig an ihrem eigenen Geburtstag. The Pudding, bekannt für aufwändig visualisierte Datengeschichten, nimmt sich des Themas an und führt die Leserschaft dabei Schritt für Schritt durch eine vollständige statistische Analyse – von der rohen Zählung über Normalverteilung und Standardabweichung bis zu Z-Tests und p-Werten. Datengrundlage sind knapp zwei Millionen Sterbefälle in Massachusetts (1990–2024). Das Ergebnis: 7 % mehr Todesfälle am Geburtstag als statistisch erwartet, auch nach Bereinigung saisonaler Effekte. Als Erklärung kommen unter anderem alkoholbedingte Unfälle in Frage – Feiern kann tödlich sein. Der Artikel eignet sich auch als Einstieg in eine Statistik-Vorlesung, weil er mit einer morbid-neugierigen Frage beginnt und beiläufig das komplette Handwerkszeug der Hypothesentests vermittelt. Zum Fundstück (pudding.cool)
Welches Fundstück hat Sie zuletzt inspiriert? Senden Sie uns Ihre Ideen!
Dies war Ausgabe 399 des GI-Radars vom 17. April 2026. Zusammengestellt hat diese Ausgabe Dominik Herrmann, der hofft, dass Sie heute nicht Geburtstag haben! Die Kurzmitteilungen und die GI-Meldungen haben Burkhard Hoppenstedt und GI-Geschäftsführerin Cornelia Winter zusammengetragen. Das nächste Radar erscheint am 1. Mai 2026.
Im GI-Radar berichten wir alle zwei Wochen über ausgewählte Informatik-Themen. Wir sind sehr an Ihrer Meinung interessiert. Für Anregungen und Kritik haben wir ein offenes Ohr, entweder per E-Mail (redaktion@gi-radar.de) oder über das Feedback-Formular bei SurveyMonkey.
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