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Liebe Leserinnen und Leser,
in dieser Ausgabe geht es darum, was Jugendliche selbst von einem Social-Media-Verbot halten, wie gut KI sicheren Code schreiben kann und was mit den Daten geschehen könnte, die beim Angriff auf die Berliner Verwaltung erbeutet wurden. Ein Thema im Fokus haben wir dieses Mal nicht. In den GI-Meldungen laden wir Sie zum Informatik Festival nach Dresden ein, freuen uns mit Marco Sälzer über den Dissertationspreis und stellen Ihnen unser Whitepaper zur Reform des Computerstrafrechts vor, damit ethisches Hacken künftig nicht mehr strafbar ist. Im Fundstück lesen Sie analoge Uhren ab – gegen die Zeit.
Wir wünschen Ihnen viel Spaß mit dieser Ausgabe.
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Social-Media-Verbot aus Sicht der Zielgruppe + KI-Code mit Sicherheitslücken + Datendiebstahl in Berlin + Informatik Festival + GI-Dissertationspreis + ethisches Hacken + drei Uhren gegen die Zeit
KURZMITTEILUNGEN
Social-Media-Verbot: Was denkt die Zielgruppe? (ZEIT). Über Altersgrenzen für soziale Medien diskutieren meist Erwachsene. Die Techniker Krankenkasse hat nun 1.400 Zwölf- bis 17-Jährige befragen lassen. 47 Prozent von ihnen wünschen sich eine Altersgrenze, im Schnitt bei 14 Jahren; weitere acht Prozent würden soziale Medien für Minderjährige ganz sperren. 39 Prozent lehnen Einschränkungen ab. Zugleich sagen 80 Prozent, dass ihnen die Plattformen eher guttun. Mit steigender Nutzungsdauer kippt dieses Bild jedoch: Wer täglich mindestens vier Stunden dort verbringt, berichtet mehr als doppelt so oft von schlechter Laune wie Jugendliche mit ein bis zwei Stunden, außerdem häufiger von Schlafproblemen, Kopfschmerzen und gereizten Augen. Am meisten stören Werbung, Fake-Inhalte, verlorene Zeit und Mobbing. Zusätzlich wünschen sich die Befragten Unterstützung: Lernvideos auf den Plattformen selbst, Medienscouts an Schulen, Workshops und mehr Austausch mit den Eltern. weiterlesen
KI schreibt Code schnell – aber nicht sicher (Computerwoche). KI-Modelle finden inzwischen regelmäßig Zero-Day-Lücken, die teils jahrelang niemandem aufgefallen sind. Sicheren Code schreiben können sie dagegen deutlich schlechter. Der Sicherheitsanbieter Veracode fand in 44 Prozent des KI-generierten Codes mindestens eine Schwachstelle aus den OWASP Top 10, der Liste der kritischsten Sicherheitsrisiken in Webanwendungen; kein Modell bestand mehr als 68 Prozent der Sicherheitsprüfungen, obwohl der Code in 99 Prozent der Fälle syntaktisch korrekt war. Andere Untersuchungen zeigen dasselbe Bild: Laut der Software Improvement Group verursacht KI-Code etwa doppelt so viele Sicherheitsvorfälle wie handgeschriebener, und wenn Modelle bekannte Lücken schließen sollten, gelang ihnen das in Tests von 1Password nur in 26 Prozent der Fälle – oft blieb die Lücke offen oder eine neue kam hinzu. Als Ursachen nennt der Artikel unvollständige Spezifikationen, Trainingsdaten schwankender Qualität und die Aufmerksamkeitsmechanismen der Modelle, die einen Fehler an einer Stelle beheben, identische Fehler in Nachbarpfaden aber übersehen. Ein Einwand steht ebenfalls im Artikel: Veracode arbeitete bewusst mit minimalen Prompts ohne Sicherheitsanweisungen. Eine Arbeitsumgebung, die Bedrohungsmodelle, Tests und Sicherheitsscanner einbindet, kann den befragten Fachleuten zufolge viel davon ausgleichen, eine Garantie ist sie nicht. Die Verantwortung für das Ergebnis bleibt trotzdem beim Menschen. weiterlesen
Angriff auf die Berliner Verwaltung: Was mit den Daten passieren kann (heise). Mitte August wurde bekannt, dass Angreifer in das Datennetz der Berliner Verwaltung eingedrungen sind und vertrauliche Daten abgezogen haben. Welche genau und in welchem Umfang, ist offiziell noch unklar; laut Spiegel steckt die seit Jahren aktive Erpressergruppe Rhysida dahinter, und der Regierende Bürgermeister hat angekündigt, dass sich Berlin nicht erpressen lassen werde. CCC-Sprecher Joachim Selzer hat gegenüber der dpa beschrieben, was Betroffenen nun drohen kann: Passwörter dürften auf dem Schwarzmarkt landen – im Klartext sofort nutzbar, als Hashes immerhin erst nach einigem Aufwand. Angaben aus Bußgeldbescheiden oder Justizakten taugen für Identitätsdiebstahl, denn je mehr über eine Person bekannt ist, desto überzeugender lässt sich ihre Identität vortäuschen. Denkbar sind auch Erpressung mit peinlichen Details und Betrugsmails, die mit echten Auszügen aus dem Datensatz einen erfundenen Einbruch in den eigenen Rechner belegen sollen. weiterlesen
THEMA IM FOKUS
Unser Thema im Fokus ist noch in der Sommerpause. Ihre Vorschläge sind uns herzlich willkommen.
GI-MELDUNGEN
Auf nach Dresden zum Informatik Festival! In gut zweieinhalb Wochen geht es los: Vom 22. bis 25. September findet an der TU Dresden unser Informatik Festival unter dem Leitthema „Digitale Resilienz“ statt, mit einem prallen Hauptprogramm aus Vorträgen und Panels, einer Vielzahl breit angelegter Workshops und einem attraktiven Abend- und Rahmenprogramm. Manches ist bereits ausverkauft, für andere Veranstaltungen gibt es noch Karten. weiterlesen
GI-Dissertationspreis für Marco Sälzer. Der Dissertationspreis, den die GI gemeinsam mit der Österreichischen Computer Gesellschaft und der Schweizer Informatik Gesellschaft vergibt, geht in diesem Jahr an Dr. Marco Sälzer. Er promovierte an der Universität Kassel mit der Arbeit „The Complexity of Formal Verification of Neural Network Based Models“. Überzeugt hat die Jury das äußerst präzise mathematische Fundament seiner Untersuchungen dieser komplexen Black-Box-Systeme; die Ergebnisse liefern einen wichtigen Beitrag zu einem höchst aktuellen Problem der Explainable AI. Verliehen wird der Preis am 24. September beim Informatik Festival in Dresden. Wir gratulieren! weiterlesen
Ethisches Hacken soll nicht bestraft werden: GI legt Papier zur Reform des Computerstrafrechts vor. Schlagzeilen machen meist nur Hackerangriffe, die Schaden anrichten. Daneben gibt es aber viele Menschen, die sich in guter Absicht auf die Suche nach Sicherheitslücken machen. Rechtlich ist ihr Tun strafbar, und nicht selten werden sie anschließend strafrechtlich verfolgt. Seit der Einführung des sogenannten Hackerparagrafen 2007 kritisiert die GI diese Rechtslage. In einem Whitepaper, das gemeinsam mit Industrie, Sicherheitsforschenden und digitalpolitischen NGOs entstanden ist, fordert sie nun die Entkriminalisierung ethischen Hackens nach dem Vorbild von Polen und Belgien, flankiert von einem wirksamen Meldeverfahren und mehr gesellschaftlicher Anerkennung für ehrenamtliche Sicherheitsforschende. weiterlesen
Kennen Sie eigentlich den GI-Pressespiegel? Dort sammeln wir die Berichterstattung über unsere Fachgesellschaft in Zeitungs-, Radio- und Fernsehbeiträgen. Schauen Sie ruhig hinein – es gibt dort immer wieder Neues oder auch ältere Fundstücke.
FUNDSTÜCK
Drei Uhren gegen die Zeit. Eine analoge Uhr abzulesen fällt erstaunlich vielen Menschen schwer, erst recht, wenn es schnell gehen soll. Auf analog.watch lässt sich das trainieren: Drei Zifferblätter nacheinander, die Uhrzeit als Zahl eintippen, die Stoppuhr läuft mit. Vier Schwierigkeitsstufen gibt es. Anfänger bekommen ein Zifferblatt mit Zahlen und beliebig viele Versuche; ab der Stufe „Normal“ zählt der erste Tipp, in der Expertenstufe kommt der Sekundenzeiger dazu, und pro Uhr bleiben 60 Sekunden. Die Stufe „Insane“ streicht dann noch alle Markierungen bis auf 12, 3, 6 und 9 und halbiert die Zeit. Dazu kommt eine tägliche Herausforderung: dieselben drei Uhren für alle, ein Versuch pro Tag, Expertenregeln. Wer abbricht, muss bis morgen warten. Das Spiel läuft im Browser und ist englischsprachig. Wer das für trivial hält, probiere es unter Zeitdruck.
Zum Fundstück (analog.watch)
Dies war Ausgabe 408 des GI-Radars vom 4. September 2026. Wie lange Sie für diese Ausgabe gebraucht haben, misst zum Glück niemand. Zusammengestellt hat diese Ausgabe Dominik Herrmann. Die Kurzmitteilungen und die GI-Meldungen hat GI-Geschäftsführerin Cornelia Winter zusammengetragen. Das nächste Radar erscheint am 18. September 2026.
Im GI-Radar berichten wir alle zwei Wochen über ausgewählte Informatik-Themen. Wir sind sehr an Ihrer Meinung interessiert. Für Anregungen und Kritik haben wir ein offenes Ohr, entweder per E-Mail (redaktion@gi-radar.de) oder über das Feedback-Formular bei SurveyMonkey.
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