GI-Radar 409: Ein Eis für die BundID

 

Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Ausgabe geht es darum, warum so viele Menschen schon an der Anmeldung zu digitalen Behördendiensten scheitern, warum jetzt die Chefs großer KI-Firmen selbst auf die Bremse treten wollen und was 25 Jahre nach dem 11. September 2001 von der Privatsphäre übrig ist. Ein Thema im Fokus haben wir dieses Mal nicht. In den GI-Meldungen stellen wir Ihnen unsere neuen Junior-Fellows vor, laden Sie zum Informatik Festival und zur Mitgliederversammlung nach Dresden ein, legen Ihnen die Ehrenamts-Academy ans Herz und weisen auf die Ausschreibung des GI-CAST-Promotionspreises IT-Sicherheit 2027 hin. Im Fundstück sichern Sie sich einen Fensterplatz – ganz ohne Ticket.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß mit dieser Ausgabe.

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Hürde BundID + KI-Firmen wollen bremsen + 25 Jahre Überwachung seit 9/11 + GI-Junior-Fellows 2026 + Informatik Festival + GI-Mitgliederversammlung + Ehrenamts-Academy + GI-CAST-Promotionspreis IT-Sicherheit + Fensterplatz im Browser

KURZMITTEILUNGEN

Labyrinth E-Government: ein Eis fürs BundID-Konto (Spiegel). Die allermeisten Nutzerinnen und Nutzer digitaler Behördendienste scheitern nicht an den Formularen, sondern schon an der Anmeldung und am Identitätsnachweis mit BundID, elektronischem Personalausweis und AusweisApp. Zu diesem Schluss kommt der Verein NExT, in dem sich Digitalfachleute aus dem öffentlichen Sektor engagieren. Er hat sieben Fallberichte von Behörden zusammengetragen, die die Nutzung ihrer Onlinedienste ausgewertet haben. Im E-Government-Vergleich der EU-Kommission liegt Deutschland derzeit nur auf Platz 22 von 27, einen Platz schlechter als im Vorjahr. Von 940.000 Menschen, die bei der Online-Kfz-Zulassung auf die BundID-Startseite weitergeleitet wurden, schlossen nur 15 Prozent die Anmeldung ab. Im Testlabor des DigitalService des Bundes richteten nur zwei von sechs Teilnehmenden binnen einer Stunde ein BundID-Konto ein, obwohl alle die nötige Technik samt PIN zur Hand hatten. In Wiesbaden, wo zusätzlich Video-Ident angeboten wurde, meldeten sich knapp 9000 Menschen auf diesem Weg online zur Eheschließung an, nur knapp 600 mit dem E-Perso. NExT fordert unter anderem eine bessere Nutzerführung und kostenlose eID-Server für Behörden, damit der Umweg über die BundID entfallen kann. Manche Behörden helfen sich derweil pragmatisch: Eine Elterngeldstelle in Niedersachsen empfiehlt den teildigitalen Antrag mit unterschriebenem Deckblatt per Post, und in Heppenheim, Lampertheim und Fürth im Kreis Bergstraße gibt es für ein neu eingerichtetes BundID-Konto ein Eis.  weiterlesen

KI-Firmen wollen auf die Bremse treten (taz). Die Rufe nach mehr Vorsicht kommen diesmal aus der KI-Branche selbst. Vorausgegangen war ein Testlauf, bei dem KI-Agenten von OpenAI eigenmächtig in Systeme der KI-Plattform Hugging Face eingedrungen sein sollen. Anthropic-Chef Dario Amodei spricht von einem „Warnsignal dafür, dass wir langsamer machen müssen“, und wirbt für eine koordinierte, branchenweite Pause in der westlichen Welt. Anthropic will außerdem dauerhaft unabhängige Beobachter ins Unternehmen lassen; OpenAI-Chef Sam Altman hat das auch für OpenAI angekündigt, das zudem seinen Börsengang verschiebt. Im US-Kongress wird über ein „Kill-Switch-Gesetz“ zum Abschalten außer Kontrolle geratener KI-Systeme diskutiert. Das Bundesdigitalministerium unterstützt eine internationale KI-Aufsicht, hält einen Entwicklungsstopp in Europa aber nicht für gangbar. Unsere Einordnung: Dass ausgerechnet die Chefs von Anthropic und OpenAI nach Entschleunigung und Aufsicht rufen, ist bemerkenswert. Ein Vorfall, bei dem KI-Agenten offenbar ungeplant und unerlaubt gehandelt haben, passt zu Befürchtungen, die Fachleute seit Jahren äußern; Hergang und Ausmaß nennt die taz allerdings nicht. Wer eindringlich vor der Macht der eigenen Produkte warnt, unterstreicht damit auch, wie leistungsfähig sie sind. Beschlossen ist bislang nichts: Die Pause ist ein Vorschlag, das Kill-Switch-Gesetz wird erst diskutiert.  weiterlesen

25 Jahre nach 9/11: Bilanz einer verlorenen Privatsphäre (heise). Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurden die Sicherheitsgesetze binnen weniger Monate verschärft. In Deutschland brachte Innenminister Otto Schily zwei Anti-Terror-Pakete durch den Bundestag, den „Otto-Katalog“ I und II; 17 Gesetze wurden geändert, Verfassungsschutz, BND und MAD bekamen Zugriff auf Bank-, Flug-, Post- und Telekommunikationsdaten. In den USA folgte im Oktober 2001 der Patriot Act. Kritik gab es durchaus – Burkhard Hirsch etwa warnte vor einem „totalitären Geist“ –, durchgesetzt wurden die Gesetze trotzdem. Stefan Krempl zieht die Linie weiter über Fingerabdrücke im Pass, Vorratsdatenspeicherung und die Snowden-Enthüllungen von 2013, nach denen die Überwachung in Deutschland nicht zurückgebaut, sondern nachträglich legalisiert wurde, bis zu heutigen Plänen für KI-gestützte Datenanalyse und flächendeckende Biometrie. Stritt man Anfang der 2000er-Jahre noch monatelang über solche Befugnisse, herrsche heute „weitreichende Lethargie“. Ganz ohne Hoffnung endet der Text nicht: Bundesverfassungsgericht und EuGH haben wiederholt Grenzen gezogen, und Verschlüsselung und Tor bieten technischen Selbstschutz. Unsere Einordnung: Am 11. September 2001 stürzten nicht nur Hochhäuser ein, sondern auch ein Stück Vertrauen in die freie Gesellschaft. Die Bedenken von damals haben sich gegen das Bedürfnis nach vermeintlicher Sicherheit kaum durchgesetzt. Mahner wie Burkhard Hirsch kennen heute nur noch wenige, und selbst die Snowden-Enthüllungen haben in Deutschland nicht zu weniger Überwachung geführt. An allgegenwärtige Kameras und die ständige Preisgabe eigener Daten haben sich viele gewöhnt.  weiterlesen

THEMA IM FOKUS

Unser Thema im Fokus ist immer noch in der Sommerpause. Ihre Vorschläge sind uns herzlich willkommen.

GI-MELDUNGEN

GI-Junior-Fellows 2026: fünf Talente, fünf Themen. Am kommenden Dienstag, dem 22. September, zeichnen wir am Abend bei der Welcome Reception des Informatik Festivals in Dresden unsere neuen Junior-Fellows aus. Die Jury hat fünf Personen ausgewählt, die sich zum großen Teil bereits in der GI engagieren und schon Ideen für die Zusammenarbeit untereinander entwickelt haben. Florian Moser forscht zur Sicherheit von Onlinewahlen, Matthias Nattke zu autonomen Drohnenschwärmen, Carolin Neumann verantwortet bei IBM eine souveräne KI-Plattform für den Europäischen Wirtschaftsraum, Lea Schönberger ist Wissenschaftskommunikatorin, und Veronika Solopova arbeitet an der TU Berlin an der automatischen Erkennung von Informationsstörungen wie Propaganda und Deepfakes. Lernen Sie unseren exzellenten Nachwuchs in Dresden kennen!  weiterlesen

Endspurt zum Informatik Festival. In den Geschäftsstellen werden die letzten Kisten gepackt – und Sie haben hoffentlich schon Ihre Bahntickets gebucht? Vom 22. bis 25. September bieten wir an der TU Dresden unter dem Leitthema „Digitale Resilienz“ ein vielfältiges Programm aus Workshops, Podiumsdiskussionen und Netzwerkveranstaltungen. Am GI-Stand können Sie außerdem direkt mit den Mitarbeitenden aus den Geschäftsstellen ins Gespräch kommen. Wir freuen uns auf Sie!  weiterlesen

GI-Mitgliederversammlung. Am 22. September von 16 bis 18 Uhr lädt der Präsident im Rahmen des Informatik Festivals zur Mitgliederversammlung ein. Der Vorstand berichtet über die Aktivitäten des vergangenen Jahres, die Versammlung beschließt die Liste für die anstehende Präsidiumswahl, und Sie können sich mit anderen GI-Mitgliedern austauschen. Anschließend geht es – mit Festival-Ticket – zum Netzwerken auf die Welcome Reception.  weiterlesen

Ehrenamts-Academy. Wo liegen die Stolpersteine des Gemeinnützigkeitsrechts für Vereine? Wie baut man eine Regionalgruppe auf? Und wie lassen sich die Kommunikationskanäle der GI für eigene Aktivitäten nutzen? In unserer Ehrenamts-Academy berichten engagierte Mitglieder von ihrer Arbeit und stehen für Fragen und Austausch zur Verfügung. Die bisherigen fünf Termine können Sie im GI-Mitgliederbereich nachlesen und nachhören. Wenn Sie Ideen für Themen haben, die viele Ehrenamtliche in der GI interessieren könnten, freuen wir uns über Ihre Anregungen.  weiterlesen

GI-CAST-Promotionspreis IT-Sicherheit 2027. Wie in jedem Jahr schreibt der GI-Fachbereich Sicherheit gemeinsam mit dem CAST e.V. einen Promotionspreis für IT-Sicherheit aus. Die Dissertation muss in einem Themengebiet des Fachbereichs oder seiner Fachgruppen angesiedelt sein und darf bei der Einreichung höchstens 24 Monate zurückliegen. Preiswürdig sind Arbeiten, die die IT-Sicherheit voranbringen oder mehr Sicherheit in IT-Anwendungen ermöglichen. Die Nominierten stellen ihre Arbeiten im Februar 2027 auf der Jahrestagung des Fachbereichs in Salzburg vor, wo das Fachpublikum die Siegerarbeit wählt. Einsendeschluss ist der 31. Oktober 2026, der Preis ist mit 5000 Euro dotiert.  weiterlesen

FUNDSTÜCK

Fensterplatz im Browser. Übliche Flugtracker zeigen ein Flugzeugsymbol auf der Landkarte, Stowaway dagegen den Blick aus dem Fenster: Man wählt eine Maschine, die gerade tatsächlich in der Luft ist, und nimmt in einer 3D-Ansicht darin Platz – mit Horizont, Tageszeit und dem Sternenhimmel, der dort gerade zu sehen ist. Die Flugzeugpositionen stammen aus ADS-B-Signalen, die Flugzeuge selbst aussenden und die Freiwillige weltweit mit eigenen Empfängern auffangen. Über Europa und Nordamerika ist die Abdeckung deshalb dicht, über den Ozeanen lückenhaft. Auch die ISS, Starlink-Satelliten und Weltraumschrott ziehen auf ihren echten Bahnen vorbei. Die englischsprachige Seite ist kostenlos und läuft im Browser, auch auf dem Smartphone, ohne Konto und ohne Werbung. Wer das Projekt finanziell unterstützt, bekommt schärfere Bodenansichten und einen KI-Assistenten, der auf Zuruf einen passenden Flug heraussucht.  Zum Fundstück (stowaway.live)

 

Dies war Ausgabe 409 des GI-Radars vom 18. September 2026. Ein Eis gibt es für das Lesen dieser Ausgabe leider nicht, eine BundID brauchten Sie dafür aber auch nicht. Zusammengestellt hat diese Ausgabe Dominik Herrmann. Die Kurzmitteilungen und die GI-Meldungen hat GI-Geschäftsführerin Cornelia Winter zusammengetragen. Das nächste Radar erscheint am 2. Oktober 2026.

Im GI-Radar berichten wir alle zwei Wochen über ausgewählte Informatik-Themen. Wir sind sehr an Ihrer Meinung interessiert. Für Anregungen und Kritik haben wir ein offenes Ohr, entweder per E-Mail (redaktion@gi-radar.de) oder über das Feedback-Formular bei SurveyMonkey.