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Liebe Leserinnen und Leser,
in dieser Ausgabe geht es um die verpflichtend gestartete elektronische Patientenakte, die Frage, ob man als demenzkranker Mensch via Kamera überwacht werden möchte, darum, ob der Wirtschaftstreiber KI langfristig tragfähig sein wird und wie Fake-SMS von Fake-Mobilfunkmasten funktionieren. Das Thema im Fokus behandelt das Projekt InstaClone, das in diesem Jahr mit dem Balzert-Preis für Digitale Didaktik ausgezeichnet wurde. In den GI-Mitteilungen sensibilisieren wir Sie für die Wahlunterlagen zu Vorstand und Präsidium der GI in Ihrem Briefkasten und weisen Sie auf unseren Jahresbericht 2024/2025 und das Neuerscheinen unseres Mitgliedermagazins .inf hin. Das Fundstück ist wieder einmal eine gut aufgemachte interaktive Webseite.
Wir wünschen Ihnen viel Spaß mit dieser Ausgabe.
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Elektronische Patientenakte + Überwachung Demenzkranker + KI-Tools als langfristiger Wirtschaftstreiber? + Fake-Mobilfunkmasten + Balzert-Preis-Projekt InstaClone + Wahlen zu Vorstand und Präsidium + GI-Jahresbericht erschienen + die neue .inf lesen + The Scale of Life
KURZMITTEILUNGEN
Elektronische Patientenakte nicht besonders beliebt (Zeit). Seit dem 1. Oktober ist die Nutzung der elektronischen Patientenakte (ePA) verpflichtend. Nach einer ärztlichen Untersuchung müssen die Ergebnisse eingespeist werden – man selbst kann dann darauf zugreifen und sie auch anderen zugänglich machen. Um die ePA nutzen zu können, ist jedoch ein aufwändiger Identifikationsprozess notwendig. Ob es das ist, was die Bevölkerung bei der Nutzung zögern lässt, oder eher andere Fragen? Das ist offen. weiterlesen
Überwachung demenzkranker Menschen via Kamera oder GPS? Ein Dilemma (taz). Die Bevölkerung in Deutschland altert, es gibt viele alleinlebende ältere Menschen mit Demenz und nicht ausreichend pflegewillige oder -fähige professionelle Pflegekräfte oder Angehörige. Da könnte eine elektronische Überwachung der Demenzkranken beiden Seiten helfen. Allerdings stellen sich Fragen des Datenschutzes und der Abwägung von Privatsphäre und vermeintlichem Schutz. Hier gilt es, vorab zu überlegen und die eigenen Wünsche bezüglich entsprechender Überwachungstools zu dokumentieren. weiterlesen
KI-Hype trägt US-amerikanische Wirtschaft (Golem). KI-Tools und die entsprechend notwendige Ausweitung der weltweiten Rechenleistung sind laut einer Studie die Haupttreiber der US-amerikanischen Wirtschaft. Erste Stimmen warnen allerdings bereits vor einem Platzen der Blase und einer damit möglicherweise einhergehenden Rezession der amerikanischen Wirtschaft. Auch leiste der KI-Technologie- und -Dienstleistungssektor noch keinen sinnvollen Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt. Es bleibt spannend in der IT-Wirtschaft. weiterlesen
Fake-Mobilfunkmasten spammen Telefone zu (t3n). Fake-Anrufe und Fake-Postfächer sind bekannt, aber haben Sie schon von Fake-Mobilfunkmasten gehört? Cyberkriminelle richten sogenannte SMS-Blaster ein, die sich als Mobilfunkmasten ausgeben. Diese Geräte passen in einen Kofferraum, sodass die Cyberkriminellen damit Sendemasten simulieren und Mobiltelefone im Umkreis von einem Kilometer ansteuern können. Damit lassen sich zum Beispiel gefälschte SMS mit Anmeldecodes verschicken. Also: auch bei einer SMS, die vermeintlich von Ihrer Bank kommt, immer erst denken und dann reagieren. weiterlesen
THEMA IM FOKUS
In diesem Jahr wurde die Anwendung InstaCone mit dem Helmut- und Heide-Balzert-Preis für Digitale Didaktik ausgezeichnet. In diesem Beitrag beschreiben die Verantwortlichen Funktionsweise und Einsatzmöglichkeiten des Tools.
Zwischen Likes und Algorithmen: InstaClone macht Data Literacy erlebbar. Soziale Medien sind in der Lebenswelt junger Erwachsener allgegenwärtig und obwohl diese als sogenannte „Digital Natives“ gelten, zeigen Studien, dass ihnen häufig die nötigen Kompetenzen fehlen, um z.B. Daten und Algorithmen zu bewerten und kritisch zu hinterfragen.InstaClone, als innovatives soziales Netzwerk für den Unterricht, setzt genau hier an und bringt die Dynamiken sozialer Netzwerke direkt ins Klassenzimmer.
InstaClone imitiert dabei das Aussehen und die Funktionalitäten von Instagram und bietet so eine vertraute Benutzeroberfläche für junge Erwachsene und gleichzeitig einen Blick hinter die Kulissen der beliebten Social Media Plattform. Durch das intuitive Verhalten der jungen Erwachsenen auf InstaClone (posten, liken, kommentieren u.v.m.) hinterlassen die Nutzerinnen und und Nutzer Daten, mit denen im Anschluss gearbeitet wird. Insbesondere die Arbeit mit eigenen Daten führt dabei zu einer höheren Motivation und einem höheren Lernerfolg. Die betreuende Lehrkraft behält in allen Unterrichtsszenarien die Kontrolle über die Daten der Lernenden und kann jederzeit unangemessene Posts und Kommentare löschen.
Um die Daten zu analysieren, werden diese entweder im integrierten Data-Analytics Dashboard grafisch aufbereitet oder von der Lehrkraft exportiert und in Werkzeugen wie z.B. Orange Data Mining weiterverarbeitet. Damit kann visualisiert werden, welche Daten soziale Netzwerke sammeln und welche Schlussfolgerungen daraus gezogen werden können.
Ein weiteres zentrales Element von InstaClone, hinter die Kulissen von sozialen Netzwerken zu blicken, ist die Möglichkeit, den Newsfeed-Algorithmus zu variieren. Dabei stehen verschiedene Algorithmen zur Verfügung, wobei der Edge-Rank-Algorithmus zusätzlich die Möglichkeit bietet, die Gewichtung der Parameter individuell zu konfigurieren. Damit wird erlebbar gemacht, wie unterschiedliche Parameter die Sichtbarkeit von Beiträgen beeinflussen. So wird nicht nur theoretisch über die Rolle von Algorithmen diskutiert, sondern die Auswirkungen auf Filterblasen und Meinungsbildung erlebbar gemacht.
Die auf InstaClone abgestimmten Unterrichtsmaterialien (das sog. „Regiebuch“) sind in Mikroeinheiten strukturiert, die sich individuell kombinieren lassen. Die Aufgaben reichen dabei von interaktiven Beitragsaktionen über Reflexionsfragen bis hin zu partizipativen Szenarien („Wie würdest du deinen eigenen Algorithmus gestalten?“). Die Möglichkeit, das „Regiebuch“ vollständig in InstaClone zu integrieren, steigert durch den Einsatz von Gamification-Elementen zusätzlich die Motivation. InstaClone wurde für den fächerübergreifenden Unterricht konzipiert, ist intuitiv und ohne vertiefte informatische Kenntnisse bedienbar, auf Deutsch und Englisch verfügbar und datenschutzkonform. Die Daten sind nur für die Nutzerinnen und Nutzer in einer Instanz sichtbar und auch das Projektteam der Technischen Universität München hat keinerlei Einsicht in die Daten.
In einer Case Study mit Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe II wurde InstaClone als authentisch und motivierend wahrgenommen. Besonders die Arbeit mit eigenen Daten wurde als „viel cooler“ und greifbarer beschrieben. Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich überrascht, wie viel soziale Netzwerke über sie wissen – und äußerten den Wunsch, InstaClone weiterhin im Unterricht zu nutzen (SIGCSE 2024).
InstaClone verbindet informatische Bildung mit gesellschaftlicher Reflexion und macht informatische Konzepte lebensnah erfahrbar. Es zeigt, wie digitale Bildung gelingen kann, nämlich nicht durch den erhobenen Zeigefinger oder abstrakte Diskussionen, sondern durch aktives eigenständiges Gestalten und kritisches Hinterfragen.
Weiterführende Informationen zu InstaClone sowie die zugehörigen Unterrichtsmaterialien finden Sie unter: https://info.instaclone.de/
Dieser Beitrag kommt von Dr. Anna Hartl (Professur für Psychologie des Lehrens und Lernens), Elena Spörer (Professur für Didaktik der Informatik) und Dr. Angelina Voggenreiter (Lehrstuhl für Computational Social Science). Sie sind wissenschaftliche Mitarbeiter:innen der Technischen Universität München und wurden für das Social Media Tool InstaClone 2025 mit dem Helmut und Heide Balzert Preis ausgezeichnet. Vielen Dank!
GI-MELDUNGEN
Sie haben Post: Wahlen zu GI-Vorstand und Präsidium. In den kommenden Tagen sollten alle ordentlichen und korporativen Mitglieder ihre Wahlunterlagen zu Vorstand und Präsidium im Briefkasten finden. Bitte den Postkasten-Inhalt sorgfältig prüfen und die GI-Post nicht fälschlicherweise als Werbung abtun (*wink*)! Am besten direkt aufmachen und die GI-Mitglieder wählen, die Ihre Themen voraussichtlich am besten vertreten werden. Wir freuen uns auf eine hohe Wahlbeteiligung. weiterlesen
Mitgliederversammlung verpasst? GI-Jahresbericht lesen! Wer es auf dem Informatikfestival in Potsdam nicht zur Mitgliederversammlung geschafft und somit den mündlichen Bericht unserer Präsidentin Christine Regitz verpasst hat, kann die Höhepunkte der vergangenen 12 Monate nun in unserem frisch erschienenen Jahresbericht nachlesen. Dort berichten wir im Großen und Kleinen über unsere wichtigsten Aktivitäten. weiterlesen
Mitgliedermagazin .inf erschienen: Open Source, digitale Souveränität und Drohnen. Drohnen: ein Thema, das gerade in aller (politischer) Munde ist. Sicherlich sind unter uns einige, die Drohnen aus Spaß an der Freude nutzen und damit beispielsweise ihr Wandergebiet erkunden. Aber diese kleinen, unbemannten Flugkörper fliegen gerade auch da, wo man sie lieber nicht hätte und dazu noch mit unklarer Intention. Unser Artikel dazu schafft Ihnen vertiefte Einblicke in die Technik. weiterlesen
Kennen Sie eigentlich den GI-Pressespiegel? Dort sammeln wir die Berichterstattung über unsere Fachgesellschaft in Zeitungs-, Radio- und Fernsehbeiträgen. Schauen Sie rein, es gibt da immer wieder Neues oder auch ältere Fundstücke.
FUNDSTÜCK
The Scale of Life – Dimensionen des Lebens in Echtzeit visualisiert. The Scale of Life ist eine interaktive Website, die Live-Counter anzeigt, um die Größenordnungen unseres Alltags, der Natur und der industriellen Zivilisation erfahrbar zu machen. Die Seite zeigt beispielsweise, wie viele Herzschläge weltweit gerade passieren, wie viele Bäume gefällt werden oder wie viele Lego-Steine produziert werden. Die Daten stammen von wissenschaftlichen Institutionen und professionellen Agenturen, auch wenn die Macher selbst betonen, dass die Counter als „Edutainment“ zu verstehen sind. Durch die Visualisierung sonst abstrakter Zahlen wird anschaulich klar, was auf der Welt gerade passiert. Zum Fundstück (thescaleoflife.com)
Welches Fundstück hat Sie zuletzt inspiriert? Senden Sie uns Ihre Ideen!
Dies war Ausgabe 387 des GI-Radars vom 03.10.2025. Zusammengestellt hat diese Ausgabe Dominik Herrmann – mit der seit vielen Jahren konstanten Geschwindigkeit von etwa 0,003 GI-Radaren pro Stunde. Die Kurzmitteilungen und die GI-Meldungen haben GI-Mitglied Burkhard Hoppenstedt und GI-Geschäftsführerin Cornelia Winter zusammengetragen. Das nächste GI-Radar erscheint am 17. Oktober.
Im GI-Radar berichten wir alle zwei Wochen über ausgewählte Informatik-Themen. Wir sind sehr an Ihrer Meinung interessiert. Für Anregungen und Kritik haben wir ein offenes Ohr, entweder per E-Mail (redaktion@gi-radar.de) oder über das Feedback-Formular bei SurveyMonkey.
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